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Das deutsche Universitätssystem

| Organisatorisches

Welche Arten von Hochschulen gibt es und was für Abschlüsse kann man machen?

Deutschland ist bei internationalen Studierenden überaus beliebt. Das liegt an den niedrigen Studiengebühren und guten Möglichkeiten, nebenher zu arbeiten, aber auch an dem weltweit guten Ruf der deutschen Lehre. Das Hochschulsystem selbst ist hingegen eher unübersichtlich, vor allem wegen der verschiedenen Arten von Hochschulen. Deshalb wollen wir hier einen kleinen Überblick schaffen, der Dir bei der Wahl der passenden Hochschule helfen kann.

Welche Hochschularten gibt es?

In Deutschland unterscheidet man im Wesentlichen drei Arten von Hochschulen: Die klassische Universität, die Fachhochschule und die Film-, Musik- oder Kunsthochschule.

Universität:

An Universitäten liegt der Schwerpunkt der Lehre stark auf der Theorie. Es geht vor allem darum, möglichst fundiertes und tiefgründiges Wissen zum jeweiligen Thema zu vermitteln. Es gibt hier, je nach Universität, eine sehr breite Auswahl an Themen- und Fachgebieten. Einige Einrichtungen spezialisieren sich aber auch auf bestimmte Themenfelder, wie beispielsweise Technische Universitäten oder Pädagogische Hochschulen. An den Universitäten hast Du als Studierender zumeist sehr breite Wahlmöglichkeiten und kannst somit Deinen Stundenplan, Deinen Studienverlauf und Deine Schwerpunkte frei gestalten. Das verlangt aber auch viel Selbstorganisation, da Du Dich alleine darum kümmern musst, die richtigen Kurse auszuwählen, zu belegen und so weiter. An Universitäten wird außerdem immer Forschung betrieben, weshalb man hier auch leichter promovieren kann.

Fachhochschule:

Fachhochschulen werden, angepasst an den englischen Begriff, auch als Hochschulen für angewandte Wissenschaften bezeichnet. An FHs, wie man sie kurz nennt, liegt der Ausbildungsfokus stärker auf der Praxis als auf der Theorie. Das heißt, dass es häufig längere Praxisphasen mit Praktika oder Anwendungskursen gibt als an der Universität. Die Lehre selbst ist häufig eher schulisch, es gibt meist recht feste Studienverlaufspläne und nur geringfügige Wahlmöglichkeiten. Außerdem sind die Schulen meist kleiner, was häufig dazu führt, dass sich die Studierenden eines Faches und besonders eines Jahrgangs gut kennen. Zum Fächerangebot gehören Gebiete wie Technik, Wirtschaft, Sozialwesen oder Medien. Einige Studienfächer werden auch ausschließlich an Fachhochschulen angeboten. An der FH macht man die gleichen Abschlüsse wie an einer Universität, allerdings gibt es nicht so häufig die Möglichkeit zu promovieren.

Film-, Musik- und Kunsthochschule:

Wie es der Name schon sagt, handelt es sich bei diesen Einrichtungen um Hochschulen, die sich allein künstlerischen Fächern widmen. Hier kannst Du unter anderem Musik, Bildende Kunst, Schauspiel, Tanz, Industrie- und Mode-Design studieren. An Hochschulen für moderne Medien werden außerdem Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren sowie andere Film- und Fernsehschaffende ausgebildet. Das Arbeitsklima ist hier häufig ähnlich wie an Fachhochschulen, es gibt oft eher kleinere Studierendenzahlen und eine starke Praxisorientierung. Allerdings musst Du für ein Studium hier ein besonderes Talent nachweisen. Das passiert in der Regel durch das Einreichen von Bewerbungsmappen oder Eignungsprüfungen. Viele dieser Plätze sind sehr begehrt und somit auch schwierig zu erhalten.

Was ist ein duales Studium?

Zusätzlich zu den oben genannten Hochschulformen gibt es in Deutschland die Möglichkeit, ein sogenanntes duales Studium zu absolvieren. Vielleicht hast Du schon mal gehört, dass es in Deutschland für viele Berufe eine „Ausbildung“ gibt: Ein Lernprogramm, dass ein paar Jahre dauert und in dem man praktisch im Unternehmen angelernt wird und parallel Kurse in einer Schule besucht. Das gilt für Pflegekräfte, viele kaufmännische Berufe, Handwerker und zahlreiche mehr. Ein duales Studium verbindet eine Ausbildung mit einem Studium. Das heißt: Du brauchst einen Vertrag mit einem Unternehmen, das bereit ist Dich neben dem Studium auszubilden. Dadurch ist Deine Ausbildung sehr praxisnah und der Berufseinstieg meist deutlich leichter als bei einem klassischen Studium. Allerdings benötigst Du für ein duales Studium zumeist sehr gute Deutschkenntnisse und musst außerdem bereit sein, viel Zeit und Mühe zu investieren: Wenn die anderen Studierenden Semesterferien haben, arbeitest Du im Betrieb. Dafür wirst Du aber in der Regel entlohnt und auch die Studiengebühren werden häufig übernommen. Für ein solches Studium musst Du Dich zumeist direkt bei einem Betrieb bewerben. Häufig erfolgt das mit einer klassischen schriftlichen Bewerbung und Auswahlgesprächen.

Wie unterscheiden sich private von staatlichen Hochschulen?

Wie in vielen anderen Ländern auch gibt es in Deutschland sowohl vom Staat finanzierte, als auch private Hochschulen. Die allermeisten Studierenden sind an staatlichen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben. Staatliche Universitäten haben hier einen sehr guten Ruf, die deutschen Überflieger im weltweiten Universitätsranking sind zum Großteil staatlich. Es gibt aber vor allem für einzelne Fächer auch überragende Privathochschulen. Meist spezialisieren diese sich dann auf ein oder wenige Fächer. Insgesamt ist die Qualität der Lehre also vergleichbar. Beide Formate sind auch auf gleiche Weise deutschen wie internationalen Studierenden geöffnet. Allerdings erheben private Hochschulen häufig (hohe) Gebühren, während an den staatlichen Universitäten nur ein vergleichsweise geringer Semesterbeitrag entrichtet werden muss. Dabei gibt es für Nicht-EU-Ausländer aber eine Ausnahme: Da Bildungspolitik in Deutschland von den Bundesländern betrieben wird, erhebt das Land Baden-Württemberg im Moment als einziges Studiengebühren für nicht-EU-Ausländer. Diese liegen bei 1.500€ pro Semester.

Welche Abschlüsse kann man erwerben?

Seit der Bologna-Reform erhält man in Deutschland wie in den meisten EU-Ländern einen Bachelor und später Masterabschluss. Es gibt aber auch einige Fächer, in denen man ein Staatsexamen erwirbt.

Staatsexamen:

Einige wenige Studiengänge schließen mit dem Staatsexamen ab. In diesem Fall gibt es eine von staatlichen Ausschüssen organisierte Abschlussprüfung. Diese wird also nicht von der Hochschule, sondern dem jeweiligen Bundesland festgelegt. Du benötigst ein solches Staatsexamen, wenn Du in Deutschland als Arzt, Anwalt, Lehrer oder Pharmazeut arbeiten möchtest. Auf die theoretische Ausbildung an der Universität folgt hier das erste Staatsexamen, anschließend musst Du eine praktische Ausbildungsphase und schließlich das zweite Staatsexamen absolvieren. Dabei sind die Fächer Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin in ganz Deutschland zulassungsbeschränkt. Anders als bei den meisten anderen Studiengängen musst Du Dich dafür bei einer Zentralstelle bewerben. Wie das funktioniert, erfährst Du in unserem Blogbeitrag.

Bachelor:

Ein Bachelor ist ein Erstabschluss, der international anerkannt wird. In der Regel studiert man dafür sechs bis acht Semester. Es gibt die Möglichkeit nur ein Fach zu studieren, aber auch zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach mit ein oder zwei Nebenfächern sind, je nach Studiengang und Universität, möglich. Außerdem unterscheidet man zwischen einem Bachelor of Arts, den man vor allem für künstlerische und geisteswissenschaftliche Fächer erhält, einem Bachelor of Science, der in naturwissenschaftlichen Fächern verliehen wird und dem Bachelor of Engineering für Ingenieurswissenschaften.

Master:

Wer sein Wissen vertiefen oder sich spezialisieren möchte, kann einen Master absolvieren. Die Voraussetzung dafür ist der erfolgreich abgeschlossene Bachelor in einem vergleichbaren Fach. Teilweise gibt es auch Beschränkungen für bestimmte Abschlussnoten. Ein Master dauert in der Regel zwei bis vier Semester. Auch hier gibt es den Master of Arts, Master of Science und Master of Engineering.

Und wie sieht es mit einer Promotion aus?

Bei einer Promotion schreibst Du eine Forschungsarbeit, eine Dissertation oder Doktorarbeit. Die Dauer einer Promotion lässt sich nur schwer festlegen, da sie stark vom Thema und der jeweiligen Vereinbarung abhängig ist. Meist beläuft sie sich auf etwa zwei bis fünf Jahre. Nach erfolgreicher Promotion bekommt man den Doktortitel verliehen. Dabei gibt es zwei verbreitete Modelle: Bei der traditionellen Variante arbeitest Du frei an Deiner Dissertation und erhältst Beratung und Unterstützung von einem Betreuer, in der Regel einem Professor der Fakultät. Wenn Du promovieren willst, ist es wichtig, dass Du Dir diesen sogenannten Doktorvater frühzeitig suchst. Manche Hochschulen bieten aber auch eine Art Promotionsstudium an. Hier hast Du in der Regel drei Jahre Zeit und arbeitest mit mehreren Betreuern an Deiner Dissertation. Bei der Auswahl einer passenden Hochschule für Deine Promotion kann Dir der Hochschulkompass helfen.

Du siehst also, so ganz unkompliziert ist das deutsche Hochschulsystem nicht. Aber mach Dich nicht verrückt, überleg einfach welche Schulform für Dich und Dein persönliches Lernverhalten am ansprechendsten klingt und natürlich, wo Dein Wunschfach angeboten wird. Die genauen Strukturen lernst Du dann im Laufe Deines Studiums von ganz allein.