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Bollerwagen zu Vatertag

Mit Bier und Bollerwagen – Vatertag in Deutschland

| Freizeit

Ein Feiertag, der wohl nirgendwo so verbracht wird wie in Deutschland – nur wie und warum?

Donnerstag, der 30. Mai ist ein bundesweiter Feiertag in Deutschland. Hier haben alle Universitäten, Firmen und die meisten Geschäfte geschlossen – offiziell wegen des christlichen Feiertags „Christi Himmelfahrt“. Gleichzeitig wird an diesem Tag aber auch der Vatertag gefeiert. Das bedeutet für die meisten deutschen Männer: Bier statt Beten! Anders als an den meisten internationalen Vatertagen, an denen ähnlich des deutschen Muttertags Vätern mit Geschenken und lieben Worten für ihr Engagement gedankt wird, ist der Vatertag in Deutschland vor allem ein Anlass, sich den ein oder anderen Drink zu genehmigen. Woher diese kuriosen deutschen Bräuche kommen, wie sie sich entwickelt haben und was eigentlich mit den Frauen am Vatertag ist, erklären wir Euch in diesem Blogpost.

Wieso ist Vatertag an Christi Himmelfahrt?

In der Bibel wird beschrieben, dass Jesus nach seiner Auferstehung an Ostern noch 40 Tage bei seinen Jüngern blieb bevor er tatsächlich in den Himmel auffuhr. Damit ist das genaue Datum von Christi Himmelfahrt abhängig von Ostern und variiert von Jahr zu Jahr leicht. Es handelt sich jedoch immer um einen Donnerstag – weswegen viele Deutsche diesen Feiertag zum Anlass für ein langes Wochenende inklusive Kurzurlaub oder Familienausflug nutzen. Da die Christen glauben, Jesus sei an jenem Tag zu seinem Vater in den Himmel aufgefahren, wurde Christi Himmelfahrt schon im Mittelalter umgangssprachlich als Vatertag bezeichnet – der Grund dafür, dass der Vatertag, anders als in vielen Ländern, in Deutschland immer an Christi Himmelfahrt stattfindet. Auch seine Bräuche sind von der Historie des christlichen Feiertags geprägt.

Wie entwickelten sich die Vatertagsbräuche?

Im Mittelalter wurden an Christi Himmelfahrt häufig Bittprozessionen durchgeführt. Dabei zog man auf Felder und Wiesen und betete beispielsweise für eine gute Ernte. Daraus entwickelte sich schon im 16. Jahrhundert die Tradition der sogenannten „Herrenpartie“ (vor allem in Ostdeutschland wird der Vatertag auch heute noch häufig als Herren- oder Männertag bezeichnet). Hier sollten Jugendliche in die Männerwelt eingeführt werden. Zu deren wichtigsten Komponenten gehörten natürlich auch Alkohol und Tabak. Ende des 19. Jahrhundert kam in der Gegend um Berlin dann die heutige Form der Vatertagsfeiern auf (deren genauen Charakteristika Ihr im folgenden Abschnitt findet) und wurde bei männlichen Deutschen schnell immer beliebter. 1934 wurde Christi Himmelfahrt dann zum offiziellen Feiertag in Deutschland erklärt.

Brauchtum: Was sollen diese Bollerwägen?

Dem Namen entsprechend feiern den Vatertag traditionell nur Männer. Meist gehen diese auf eine lange Wanderung oder machen eine gemeinsame Ausfahrt bei der dann ordentlich gebechert wird. Entsprechend der Prozessionen auf Feldern und Wiesen zieht es die trinkfreudigen Gruppierungen häufig noch immer in die Natur. Die Ziele der Ausflüge sind sehr verschieden: Einige steuern Gasthäuser oder Kneipen an, mancherorts gibt es nachmittags draußen Veranstaltungen, zu denen die örtliche Jugend pilgert, andere setzen sich das Haus eines Freundes oder Bekannten zum Ziel, um dort beispielsweise zu grillen oder einfach weiterzutrinken. Um genug Getränke für so eine, häufig mehrere Stunden dauernde Wanderung mitnehmen zu können, haben die Männer klassischerweise Bollerwagen oder auch Schubkarren dabei. Diejenigen, die lieber ausfahren als zu wandern, bringen häufig Fahrradanhänger mit oder sind gleich mit Kutschen oder alten Traktoren inklusive Anhänger unterwegs. Häufig werden diese Wägen extra für den Vatertag umgebaut, geschmückt und dann auch ausschließlich an diesem Tag im Jahr genutzt. Mancherorts ist es außerdem üblich, dass die tatsächlichen Väter von der Pflicht, für genügend Wegbier zu sorgen, befreit sind – dafür haben an diesem Tag die Junggesellen zu sorgen. Oft sind es allerdings vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die auf Vatertagstour gehen.

Wie sieht der Vatertag im heutigen Deutschland aus?

Die zuvor beschriebenen Bräuche sind Großteils auch heute noch aktuell, aber auch der Vatertag bleibt nicht ganz von Entwicklungen und gesellschaftlichen Veränderungen verschont. So gibt es zwar auch heute noch viele Gruppen, die darauf bestehen, den Vatertag ganz unter Männern zu verbringen, häufig stoßen Frauen und Freundinnen dann aber zumindest zum abschließenden Grillen oder den Open Air Veranstaltungen dazu. Vor allem in den letzten Jahren sieht man außerdem  immer mehr reine Frauen- oder auch gemischte Gruppen, die die Vatertagstraditionen zelebrieren. Auch die Bollerwägen und Traktoren wurden an die moderne Technik angepasst: Viele transportieren damit nicht mehr nur noch Bier, sondern vor allem auch Musikanlagen und Boxen und versuchen sich so auch an Lautstärke und portablen Partypotenzial gegenseitig zu überbieten.

Wie verbringt man den Vatertag als Studierender am besten?

Vatertag ist definitiv eine typische deutsche Partytradition, deren Entdeckung vor allem Feierwütigen sicher viel Freude bereiten kann. Um einen (mehr oder weniger) traditionellen Vatertag zu verbringen, braucht Ihr im Grunde nicht viel: ein paar gute Freunde, einen ordentlichen Alkoholvorrat und eine schöne Stelle zum Wandern, Radfahren oder einfach abhängen. In manchen Städten gibt es auch größere öffentliche Touren, denen man sich anschließen kann. Fest steht aber, solange das Wetter halbwegs gut ist, werden die üblichen Parks und grünen Ecken der Städte gute Anlaufpunkte sein, um anderen Feiernden zu begegnen. Zusätzlich dazu finden am Abend in vielen Orten Open Air Veranstaltungen, Konzerte und Partys statt, die man sich als Tourenziel setzen kann. Weniger lustig ist hingegen die Tatsache, dass an Christi Himmelfahrt die Anzahl der Alkohol bedingten Verkehrsunfälle üblicherweise auf ein Jahreshoch klettert und damit dreimal so hoch ist wie an einem Durchschnittstag. Es empfiehlt sich also gerade am Vatertag – und auch nach großen Alkoholmengen – die Augen und Ohren offenzuhalten und sich vor allem an vielbefahrenen Straßen vorsichtig zu verhalten. Mit dieser kleinen Warnung im Hinterkopf hoffen wir, dass Ihr die Feierlichkeiten in vollen Zügen und mit kräftigem Sonnenschein genießen könnt J