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Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten für Studierende in Deutschland?

| Organisatorisches

Wer ein Studium in einem anderen Land plant, muss auch überlegen, wie viel das Leben vor Ort kostet. Da gibt es nämlich massive Unterschiede – nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Region zu Region und Stadt zu Stadt. Außerdem sind die Kosten stark von Eurem Lebensstil abhängig – wer viel spart, am liebsten selbst kocht und gemütlich Fernsehen schaut, gibt meist weniger aus, als diejenigen, die häufig shoppen, auswärts essen und teure Hobbies haben. Dennoch kann ein allgemeiner Überblick mit Durchschnittsausgaben bei der Planung behilflich sein. Außerdem haben wir ein paar Spartipps für Euch zusammengestellt, wie sich das Studierendenleben in Deutschland günstiger gestalten lässt.

Überblick (Sozialerhebung 2016)

Leider ist die aktuellste Sozialerhebung, die Auskunft über das monatlich zur Verfügung stehende Geld deutscher Studierender gibt, von 2016. Die angegebenen Zahlen sind also mit Vorsicht zu genießen. Außerdem sind Kosten wie der Semesterbeitrag nicht mit eingerechnet. Dieser ist in der Regel vor Beginn des Semesters zu entrichten, was den Durchschnitt der Monate unmittelbar vorm Semesterstart deutlich nach oben rücken dürfte. Zusätzlich gibt es je nach Stadt große Kostenunterschiede, darauf gehen wir später noch genauer ein. 

KostenpunktMonatliche Ausgaben (Durchschnitt Studierende 2016)
Miete (inkl. Nebenkosten)323,- €
Ernährung168,- €
Kleidung42,- €
Krankenversicherung, Arztkosten, Medikamente80,- €
Telefon, Internet, Rundfunkbeitrag, Porto31,- €
Arbeitsmaterialien / Lernmittel (Bücher u.ä.)20,- €
Freizeit, Kultur und Sport61,- €
Summe819,- €

 

 

Wohnen

Wohnkosten variieren sehr stark. Die Beträge sind vor allem abhängig davon, wie und wo man lebt. Gerade in den beliebtesten Studienstädten Deutschlands ist die Miete wie die Wohnungsknappheit seit 2016 deutlich gestiegen. Mit 323€ werdet Ihr in solchen Gebieten kaum auskommen. Um Geld zu sparen und Kontakte zu knüpfen, greifen viele Studierende auf WG-Zimmer zurück. Das heißt, dass sie sich eine Wohnung mit anderen Studierenden teilen. Studis-Online hat aktuelle Annoncen von WG-Zimmern ausgewertet und ist zu folgenden Durchschnittswerten gekommen: Ein WG-Zimmer in München ist mit durchschnittlich 557€ am teuersten, darauf folgt Frankfurt a.M. mit 456€, Hamburg mit 453€, Berlin mit 440€ und Köln mit 436€. Zu den Studienorten, in denen die Mieten durchschnittlich besonders gering sind, zählen hingegen Halle (Saale) mit 256€, Jena mit 282€, Dresden mit 284€, Leipzig mit 290€, Paderborn mit 295€ und Kiel mit 302€.

Spartipp: Eine Möglichkeit, Geld bei der Miete zu sparen, sind Wohnheime für Studierende. Hier sind die Kosten zwar auch je nach Stadt unterschiedlich, zumeist aber geringer als in privaten Wohnungen. Dafür gibt es verschiedene Konzepte, die nicht jedermanns Sache sind. Meist hat man beispielsweise keinen Einfluss darauf, mit wem man zusammenlebt und wie die Zimmer eingerichtet sind. Wenn Ihr nicht ins Wohnheim wollt, kann es helfen, Wohnungen in Randgebieten oder Vororten zu suchen. Die sind häufig günstiger als die direkt an der Uni und in der Innenstadt.

Essen und Trinken

Ernährungskosten sind stark davon abhängig, wie und wo man isst. Allgemein gilt: Selber kochen zahlt sich in Deutschland aus! Lebensmittel sind in Supermärkten und Discountern oft günstig, während Restaurants oft teuer sind. An den meisten Hochschulen lohnt sich auch das Mensaangebot. Häufig gibt es Menüs, die um die 2-4 € kosten. In vielen Städten wie Berlin oder im Ruhrgebiet gibt es außerdem günstige Imbisse, die Euch für einen ähnlichen Preis mit Leckereien wie Döner, Falafel oder Currywurst mit Pommes versorgen. Dabei handelt es sich aber meist auch um sehr fettige, ungesunde Lebensmittel, die eher die Ausnahme bleiben sollten. Wir haben mal ein paar typische Lebensmittel mit ihren durchschnittlichen Kosten aufgeführt, damit Ihr Euch das Ganze besser vorstellen könnt:

KostenpunktPreis
1 Laib Brot1,50 bis 3,- €
1 kg Äpfel1,99 €
1 kg Kartoffeln0,99 €
1 Liter Milch0,50 bis 1,00 €
0,75 Liter Mineralwasser0,30 €
500 g Spaghetti0,60 €
1 Packung Eier2,00 €
1 Netz Zwiebeln0,50 bis 0,80 €
250 g Butter0,40 bis 1,90 €
1 Tasse Kaffee (im Café)2,50 bis 3,50 €
1 Mensa-Menü2,- bis 4,50 €
1 Bier (in einer Kneipe)2,50 bis 4,- €
1 Pizza (im Restaurant)5 bis 10 €

Spartipp: Essen muss sein, also fangt nicht an hier zu viel zu sparen! Versucht stattdessen in großen Portionen für die ganze WG einzukaufen, dann sinkt der Kilopreis oft enorm. Des Weiteren solltet Ihr in Discounter gehen und auf Angebote achten. In Deutschland kann man außerdem fast überall (außer in alten Häusern und Industriegebieten) Leitungswasser trinken und sich so auch das lästige Schleppen von Wasserflaschen sparen. Wenn es irgendwann so richtig knapp werden sollte, erkundigt Euch nach Food-Sharing-Angeboten. Vor allem in Großstädten werden häufig übrig gebliebene Lebensmittel verschenkt oder sehr günstig abgegeben.

Krankenversicherung

Wenn Ihr in Deutschland studieren wollt, müsst Ihr Euch dort krankenversichern. Es sei denn Ihr kommt aus anderen EU-Staaten, Island, Liechtenstein, Norwegen oder der Schweiz und seid in Eurem Heimatland versichert, dann gilt Eure Versicherung auch hier. Dennoch kann es ratsam sein, eine deutsche Krankenversicherung abzuschließen. Kosten, die in Eurem Heimatland unüblich sind oder niedriger erhoben werden, müsst Ihr sonst selbst tragen und auch ein Rücktransport würde nicht übernommen werden. Die genauen Regelungen variieren aber. Ihr solltet Euch also bei Eurer Krankenkasse informieren.

In Deutschland wird unterschieden zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. In unserem Blogbeitrag könnt Ihr Euch ausführlich über das deutsche Gesundheitssystem informieren. Am wichtigsten ist: Wenn Ihr unter 30 seid und noch keine 14 Fachsemester studiert, könnt Ihr Euch gesetzlich versichern lassen. Die gesetzlichen Krankenkassen verlangen aktuell Beiträge, die zwischen knapp 80 und 90 € liegen. Dazu kommt noch ein Beitrag zur Pflegeversicherung, sodass Ihr monatlich auf Kosten von insgesamt gut 100 bis 110 € kommt.

Ihr könnt Euch auch freiwillig privat versichern, was diejenigen, die älter sind oder länger studieren, ohnehin tun müssen. Bei den privaten Krankenversicherungen für ausländische Studierende gibt es große Qualitäts- und Preisunterscheide. Der VELA-Light Tarif ist mit 29,50 € pro Monat im ersten Jahr besonders günstig, umfasst aber auch weniger Leistungen als der Basis (34,50 €/ Monat im ersten Jahr) und der Optimal-Tarif (78,- € / Monat). Macht Euch mit den Unterschieden zwischen den Tarifen vertraut und überlegt, welcher am besten zu Euch passt. Wenn Ihr Beratung benötigt oder Fragen habt, kontaktiert uns gern.

Spartipp: Bei der Krankenversicherung ist es oft so, dass es sich auf lange Sicht rächt, wenn man beim Monatsbeitrag zu viel sparen möchte. Bei den extrem günstigen Tarifen sind oft nur wenige Leistungen enthalten, sodass Ihr im Krankheitsfall mit deutlich höheren Arztkosten dastehen könnt, als Ihr sonst für die Versicherung bezahlt hättet.

Fahrtkosten

An den meisten deutschen Hochschulen erhaltet Ihr für den Semesterbeitrag ein Semesterticket. Damit könnt Ihr in der Stadt, Region oder sogar dem Bundesland, in dem Ihr studiert, umsonst den öffentlichen Nahverkehr nutzen. So solltet Ihr vor Ort mobil sein. Alternativ gibt es häufig auch günstige, gebrauchte Fahrräder zu erstehen. Die übrigen Kosten sind stark abhängig davon, wie viel Ihr reist.

Spartipp: Für Alltagsstrecken ist es das Beste, wenn Ihr das Semesterticket oder ein Fahrrad nutzen könnt. Für längere Strecken sind meist die Fernbusse besonders günstig. Da kann man schon mal für 10€ von Hamburg nach Köln oder von Frankfurt nach Berlin kommen. Wenn man lange im Voraus bucht, kann man aber auch bei Fernverkehrszügen Schnäppchen machen. Genaueres zum Reisen in Deutschland erfahrt Ihr in unserem Blogbeitrag.

Kleidung

Ausgaben für Kleidung sind schwierig zu vergleichen. Sie hängen stark davon ab, wie oft man neue Klamotten kauft und in welcher Preisklasse man sich dort bewegt. Für 2016 gaben deutsche Studierende an, durchschnittlich 42€ pro Monat auszugeben. Für Schuhe gaben sie in der Regel zwischen 30 und 100 € aus. Bei T-Shirts waren es 10 bis 50 € und bei Jeans 30 bis 100 €.

Spartipp: Vor allem in Großstädten gibt es häufig große Second-Hand-Läden, Flohmärkte oder Online-Kleiderbörsen. Wenn man etwas Spaß am Stöbern hat, kann man hier auf Fundstücke stoßen, die nicht nur sehr günstig, sondern auch (mehr oder weniger) einzigartig sind. Außerdem gibt es gegen Ende der Saisons einen Schlussverkauf, in dem man Kleidungsstücke deutlich reduziert erhalten kann.

Internet und Rundfunkbeitrag

Natürlich könnt Ihr an den Hochschulen freies Internet nutzen. Die meisten Studierenden haben jedoch auch gerne zu Hause einen Internetzugang zum Lernen, Streamen und um Kontakt zu Freunden und Familie zu halten. So ein Vertrag kostet je nach gewünschten Inhalten um die 20 bis 50 € monatlich. Dazu kommt, dass jede Wohnung in Deutschland einen Rundfunkbeitrag zahlen muss. Das sind Gebühren, die für die öffentlich-rechtlichen Sender genutzt werden. Dieser liegt bei 17,50 €/ Monat und wird in aller Regel alle drei Monate eingezogen.

Spartipp: Der Rundfunkbeitrag muss nur ein Mal pro Wohnung gezahlt werden, achtet also darauf, dass ihr nicht unnötig doppelt zahlt und teilt den Betrag. WG’s sind hier günstiger. Ähnliches gilt beim Internetvertrag: Selbst, wenn Ihr eine Wohnung alleine haben solltet, könnt Ihr in den nahe gelegenen Nachbarwohnungen fragen, ob Ihr Euch nicht einen Zugang teilen wollt.

Lernmittel

Je nachdem, was Ihr studiert, können die Ausgaben für Lernmittel extrem schwanken. So gaben Studierende der Zahnmedizin 2012 an, monatliche Kosten von 65€ zu tragen, die der bildenden Kunst 52€ und der (Innen-)Architektur 49€. Das liegt vor allem an teuren Laborgeräten, beziehungsweise Arbeitsmaterialien für Modelle und Werke. Deutlich geringer fallen Eure Kosten aus, wenn Ihr in erster Linie Bücher kaufen müsst – und davon am besten nicht zu viele und dicke, die Jura-Standartwerke bringen nämlich ebenfalls ein ordentliches Sümmchen zusammen.

Spartipp: Informiert Euch bei den Büchern fürs Studium immer zuerst, ob diese nicht in der Bibliothek vorhanden sind oder ein für Studierende freier Zugang zum eBook existiert. Dann könnt Ihr Euch das Ganze kostenlos kopieren oder herunterladen. Sollte das nicht der Fall sein könnt Ihr, wie auch bei anderen Materialien, häufig auf gebrauchte Dinge von Studierenden zurückgreifen, die Ihr Studium abgeschlossen oder abgebrochen haben. Häufig gibt es entsprechende Börsen in den sozialen Netzwerken oder per Pinnwand in den Hochschulen. Auch auf eBay Kleinanzeigen oder von den Amazon Privatverkäufen könnt Ihr Fachliteratur günstig erstehen.

Freizeit, Kultur und Sport

Auch dieser Bereich lässt sich nur schwer verallgemeinern. Immerhin sind Sportarten unterschiedlich kostspielig, die Bedürfnisse auszugehen, verschieden. Außerdem geben die meisten Leute mehr Geld für Freizeitaktivitäten aus, wenn sie mehr Geld zur Verfügung haben. Also haben wir einfach eine kleine Liste durchschnittlicher Preise zur Orientierung zusammengestellt.

KostenpunktPreis
1 Kinokarte (ermäßigt)6,- bis 11,- €
1 Theaterkarte (ermäßigt)6,- bis 30,- €
1 Eintritt Museum (ermäßigt)2,- bis 8,- €
1 Eintritt Club/Party5,- bis 15,- €

Spartipp: Sportangebote in Fitnessstudios, Vereinen, an Kampfsport- oder Tanzschulen sind häufig teuer. Wer gerne nicht nur alleine joggen gehen, aber trotzdem nicht so viel ausgeben möchte, sollte sich das Unisport-Programm anschauen. Fast jede Hochschule bietet eine riesige Auswahl an Sportkursen zu extrem niedrigen Preisen. Außerdem erhaltet Ihr als Studierende bei fast allen Freizeitangeboten, bei denen sie existiert, eine Ermäßigung und zahlt nicht den vollen Preis. Manche Unis haben auch eigene Kooperationen mit Theatern oder ähnlichem, sodass Ihr die Karten noch günstiger oder sogar gratis erhaltet.

Semesterbeitrag

In Deutschland gibt es keine allgemeinen Studiengebühren an staatlichen Hochschulen, dennoch müsst Ihr einen Semesterbeitrag (oder Sozialbeitrag) zahlen. Das gilt für Deutsche wie Ausländer gleichermaßen – mit Ausnahme von Baden-Württemberg. Dort zahlen Nicht-EU-Ausländer 1.500€ Semestergebühren, also circa 250€ im Monat. Der Semesterbeitrag selbst kostet von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich viel. Die Kosten liegen grob zwischen 100 und 450€ pro Semester, also bei circa 16,50 bis 75€ im Monat. Darin ist aber zumeist bereits das oben erwähnte Semesterticket enthalten. In einigen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) zahlt Ihr außerdem um die 500€ Extragebühren, wenn Ihr schon sehr lange studiert oder ein Zweitstudium absolviert. Das wären nochmal um die 80 bis 90€ monatlich. Andere Bundesländer (Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt) verlangen zwischen 50 und 75€ Rückmelde-, bzw. Immatrikulationsgebühren zusätzlich zum Semesterbeitrag. Das wären weitere 8,30 bis 12,50€ im Monat.

Bei privaten Hochschulen werden in aller Regel Studiengebühren erhoben. Diese können je nach Hochschule und Studiengang stark variieren, liegen aber meist nicht unter 500 bis 1000€ im Monat. Auch hier sind oft Semestertickets im Preis enthalten, allerdings haben diese häufig einen deutlich beschränkteren Geltungsbereich als die der staatlichen Hochschulen.

Spartipp: Informiert Euch bevor Ihr Euch bewerbt, welche Kosten Eure Wunschhochschulen erheben. Solltet Ihr nicht aus der EU kommen, macht es wahrscheinlich Sinn, nicht in Baden-Württemberg zu studieren. Auf den Websites der Hochschulen könnt Ihr außerdem herausfinden, wie hoch die Semesterbeiträge der letzten Semester waren und ob ein Semesterticket inklusive ist.

Insgesamt ist das Leben in Deutschland, trotz fehlender Studiengebühren, gar nicht mal so günstig. Es gibt aber viele Punkte, an denen Ihr Geld sparen könnt. Wenn Ihr eher knapp bei Kasse seid, überlegt Euch gut, wohin genau Ihr ziehen wollt. Der Standort ist einer der entscheidendsten Kriterien bezüglich der Lebenshaltungskosten. Macht Euch aber auch nicht verrückt. Für Studierende gibt es hierzulande zahlreiche Möglichkeiten neben dem Studium zu arbeiten und so nicht nur Geld dazuzuverdienen, sondern auch erste praktische Erfahrungen zu sammeln, die sich gut auf späteren Bewerbungen machen.